millstART2026

das TIER. und wir

/ animality

kuratiert von Michael Kos
16. JUNI BIS 2. OKTOBER 26
STIFT MILLSTATT

Unter dem Titel das TIER. und wir / animality erzählt die Ausstellung 2026 von der besonderen Beziehung zwischen Mensch und Tier, von alten Ängsten und erträumter Gefährtenschaft, von der ungebrochenen Anziehungskraft des Tiers und seiner romantischen und symbolischen Interpretation durch die Kunst.

EINFÜHRUNG DES KURATORS

das TIER. und wir

Kann eine Begegnung mit der zeitgenössischen Kunst auf hohem Niveau und dennoch unterhaltsam gelingen? Meine für 2026 bis 2028 geplante Ausstellungstrilogie will jedenfalls diesen Versuch wagen. Als Kurator möchte ich mit der Kunst Geschichten erzählen, die komplex, aber verständlich sind. Ohne Tiefe hält keine Geschichte – und ohne Verstehen erreicht sie uns nicht. Nichts berührt uns so unmittelbar wie jene durch die Kunst beschriebenen Verhältnisse, mit denen wir uns selbst identifizieren können.

Drei Tierköpfe im Wappen der Marktgemeinde Millstatt führen mitten in das Thema der Ausstellung 2026. Unter dem Titel „das TIER. und wir“ wird die wechselvolle Beziehung zwischen Mensch und Tier ins Bild gerückt. Das Tier ist seit 40.000 Jahren Bestandteil unserer Kunst- und Kulturgeschichte und verknüpft einen Rest der magischen Lebensempfindung der Steinzeit mit dem rationalen Weltbild der Gegenwart. Die jahrtausendealte Dialektik zwischen der Nutzbarmachung des Tieres und seiner bleibenden Unzähmbarkeit ist wohl mitbestimmend dafür, dass das Tier einen ambivalenten, aber bedeutsamen Platz in der Zivilisations-, Kultur- und Kunstgeschichte der Menschheit einnimmt.

Seit in vielen europäischen Ländern Wildtiere wie Wolf, Bär, Luchs u.a. neu angesiedelt wurden, ist auch ein sehr ursprüngliches Gefahrenverhältnis wieder in Erinnerung getreten. Als Verkörperung einer instinktiven, oft bedrohlichen, aber per se schuldlosen Gegenwelt dient das Tier der Kunst nicht nur als Formstudie, sondern auch als visuelle Annäherung an menschliche Attribute, als Projektionsfläche für Ängste, Träume, Sehnsüchte und als Gegenstand einer symbolischen Romantisierung.

Die Bilder, Zeichnungen, Skulpturen und Videos der Ausstellung erzählen einerseits vom „BEAST“, von der ursprünglichen Angst vor dem Raubtier, dessen superiore Kraft zum guten Teil in seiner irrationalen Wildheit liegt.

29 zeitgenössische Kunstpositionen zeugen andererseits auch vom „BEAUTY“, vom schönen Tier, dessen ästhetische und narrative Anziehungskraft ungebrochen für die Kunst und Kultur der Gegenwart scheint. Das Tier der Kunst ist drolliges Haustier und mythisches Fabelwesen, es ist stilles Nutztier und schamanisches Krafttier, es ist komischer Cartoon und bestechend elegante Figur zugleich. Es dient der Stellvertretung menschlicher Identität, wenn es als imaginäres Zwitterwesen und als felltragender Humanoid die Bildfläche der künstlerischen Medien betritt.

Die Ausstellung im Stift Millstatt erzählt von wechselvoller Gefährtenschaft mit dem Tier und vom Traum nach symbiotischer Verschwisterung. Sie zeigt die Welt als gemeinsamen Lebensraum, dessen Naturzustand zusehend einer ökologischen Bedrohung ausgesetzt ist, in der die Gefahr vor dem Tier seiner Gefährdung weicht.

Gleichzeitig subtil und bildgewaltig, ernsthaft und ironisch, phantasieverträumt und gegenwartskritisch möchte die Kunst die Besucher:innen dieser Ausstellung durch eine spannende Erzählung vom Tier und von uns lotsen.

Michael Kos | Kurator

geboren 1963 in Villach
1986-91 Studium an der Universität für angewandte Kunst / Wien bei Peter Weibel
Lebt und arbeitet als Bildhauer, Objektkünstler, Künstlerkurator und Autor in Retz / NÖ
Kulturpreisträger 2024 der Stadt Villach
seit 2020 Präsident Verein Bildrecht

Michael Kos entwickelt sein vielschichtiges Oeuvre vom Material aus. Insofern ist die Bildhauerei der Ausgangspunkt für seine komplexe Kunst, die Objektmalerei, Skulptur, Konzeptkunst, Installation und Text verbindet. Kos zählt mittlerweile zu den etablierten Künstlern in Österreich, seine Arbeiten werden kontinuierlich in Galerien und bei Kunstmessen präsentiert und sind in wichtigen Sammlungen vertreten. Als kulturpolitisch engagierter Zeitgenosse leitet er seit 2020 als Präsident den Verein der Verwertungsgesellschaft BILDRECHT und ist Vorstandsmitglied der Initiative Urheberrecht Österreich.

Sammlungen:
ALBERTINA MODERN, Wien / MUSEUM FÜR MODERNE, Salzburg / LENTOS, Linz / MMKK Museum für Moderne Kunst – Kärnten / LANDESGALERIE Sammlung Niederösterreich / Artothek des Bundes / Kunstsammlung STRABAG / Kunstsammlung Würth u.a.

Galerievertretungen: 
Galerie Artecont / Wien, Kunstkontor Nürnberg / D, Galerie Dorner‐Bauer / Kitzbühel, Galerie Walker / Klagenfurt

Michael Kos | © Eva Kelety

Ziege Löwe Esel

DIE SÄULENTIERE DES MILLSTÄTTER WAPPENS

Für eine Ausstellung mit dem Thema „das TIER. und wir“ stellt ein Wappen des Ausstellungsortes mit drei Tieren einen Glücksfall dar. Das Dreigespann aus Ziege, Löwe und Esel bestärkt nicht nur das kuratorische Konzept, sondern schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Natur und Kultur und zwischen der Marktgemeinde und der aktuellen millstART Kunstausstellung.

Das Wappen der Marktgemeinde Millstatt geht auf die Benediktinerzeit des Stiftes Millstatt zurück und insbesondere auf ein dokumentiertes Marktsiegel des Jahres 1737. Im Bereich der Stiftskirche und des Kreuzgangs kommen die drei Säulen als Stein- und Holzrelief sowohl ohne Tiere (am Westportal) als auch mit Tieren vor. Unter Johann Geumann (1508–1553), dem zweiten Hochmeister des Georgsritterordens, wurde das Wappen häufig verwendet und auch auf dessen Grabplatte angebracht.

Die Variante mit den leeren Säulen spielt auf die Domitian-Legende an, wonach dieser anlässlich der Christianisierung der Millstätter Gegend 1000 heidnische Bildsäulen in den See werfen ließ – was allerdings nie verifiziert werden konnte. Das heutige Wappen beruht auf einer Grafik von Alexander Exax und wurde der Marktgemeinde 1970 durch die Kärntner Landesregierung verliehen. Die amtliche Blasonierung (Wappenbeschreibung)lautet: In einem blauen Schild auf grünem Dreiberg drei goldene Säulen, deren Kapitelle mit silbernen Tierköpfen besetzt sind: Ziege, herschauender Löwe, Esel.

Ausstellungsbroschüre 2026

mit detaillierten Informationen zu allen Künstler:innen, Ausstellungsorten, Rahmenprogramm…

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