Zu jenen etablierten Künstler:innen, denen das Motiv Tier eindeutig und nahezu als Markenzeichen zugeschrieben werden kann, ist Deborah Sengl zu zählen. Ihre Bildsprache ist unverwechselbar, sie hat die hybride Kunstfigur mit Menschengestalt und Tierkopf in der zeitgenössischen Kunstgeschichte verankert. Sengl lässt das Tier zwar in mannigfaltiger Weise in ihrer Malerei, Grafik und Objektkunst auftreten, ist aber dennoch keine Tierkünstlerin. Ein Tierkopf ist bei Sengl nie monothematisch, sondern dient der symbolischen Stellvertretung. Das Tier erlaubt ihr, die menschliche Individualität zu einer allgemeineren Typologie zu machen. Sie erzählt trotz des Tiers nichts über das Tier, sondern ausschließlich über den Menschen. Ihre Bildgeschichten führen uns Menschliches und Allzumenschliches, Zwischenmenschliches und Gegenmenschliches vor Augen. Ihre Kunst ist eine äußerst narrative, die sie handwerklich meisterhaft in Szene, besser gesagt in Szenen setzt, die in Räumen ablaufen und ihre Zeit und ihre handelnden Figuren haben. Viele ihrer Bilder wirken wie Film-Stills, herausgelöst aus einem komplexen Drehbuch. Ihr Themenkreis ist breit und bezieht Fetisch, Sex, Religion, Sportwahn, Covid-19, urbane Tristesse, Ökonomiezwang, Heimatkult und soziale Verwerfungen ein. Sengl agiert hier meist mit jener sezierenden, scharfen Ironie, die auch Karl Kraus (Wiener Literat) anwendet. Nicht von ungefähr hat die Künstlerin dessen Kultbuch „Die letzten Tage der Menschheit“ mit Hunderten von präparierten Ratten in ein umfangreiches Objektszenario umgesetzt.
* 1974 in Wien
lebt und arbeitet in Wien
Studium Universität für angewandte Kunst Wien und Kunsthochschule Berlin-Weißensee
seit 1995 Ausstellungen u.a. Österr. Kulturforum Bratislava / SK, Kunsthalle Rostock /D, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, MMKK, MAK, Kunsthistorisches Museum, Museum of Contemporary Art Krakow / PL, David Winton Bell Gallery / USA