Dem deutschen Bildhauer Erik Tannhäuser gelingt mit seiner Werkserie „Developments“ ein interessanter Wurf. Mit der Wahl von mittel- und großformatigen Stahlplatten als Bildträger erweist er sich als genauer Materialkenner, der der physikalischen und chemischen Reaktion des Materials das Potential zur Bildgestaltung ablauscht.
Oft ist die skulpturale Herkunft spürbar, wenn Bildhauer zu Malern werden. Die Zweidimensionalität ist in solchen Fällen stärker von Stofflichkeit und von materiellen Prozessen geprägt. Das trifft jedenfalls auf Tannhäusers „Developments“ zu, denn diese Bilder sind keine mit dem Pinsel aus dem leeren Weiß erweckte Imaginationen, sondern mediale Grenzgänge, die eine Wahlverwandtschaft mit fototechnischen Bildverfahren aufweisen. Der Künstler streift durch die Gegend, sammelt unterwegs Dinge und legt diese auf Stahlplatten, formt damit Landschaften, gestaltet Szenen und wässert das Metall so lange, bis sich die Silhouetten der Fundstücke im Rost abzeichnen. Danach wird das Bildergebnis mit klarem Lack fixiert. Diese Beschreibung klingt ganz nach der Technik des Fotogramms, bei der lichthemmende Dinge für den konturenhaften Verbleib des Weiß am Fotopapier sorgen.
Allerdings kommt bei Tannhäuser ein nahezu alchemistischer Aspekt ins Spiel. Denn bei den Tiersujets sind es tote Körper, die er aufs Blech legt. Die Verwesungsprozesse verfärben die Metalloberfläche punktuell und bilden dadurch das Tier ab, das ausgerechnet durch seine Auflösung seine eigene piktorale Fixierung bewirkt.
* 1974 in Altenburg / D
lebt und arbeitet in Berlin, Wien und Paris
Studium Bildhauerei in Köln und Berlin
Werkplatzierungen u.a. vor dem Kanzleramt Berlin, dem deutschen Bundestag und während der 17. Dokumenta in Kassel (Amnesty International)
Skulpturen für Modelabels u.a. für Chanel, Hugo Boss und Tommy Hilfiger
Auszeichnungen u.a. London International Award, Silberner Stift