Gleich neben der Waschküche befindet sich der älteste, noch romanische Trakt des Stiftshofes, der zeitweise als Garage genutzt wurde. Als offen einsehbarer Ausstellungsraum hat auch er den Vorteil einer Galerie „en passant“. Er kann tagsüber auch von Gästen des Stifts wahrgenommen werden, die nur durch den Stiftsinnenhof schlendern wollen. Ihre räumliche Geschlossenheit empfiehlt die Garage für eine markante künstlerische Position, die im heurigen Jahr von der Südtiroler Künstlerin Wil-ma Kammerer eingenommen wird. Im rückwärtigen Teil verstärken ihre „Freien Tiere“ als Aluminiumdrucke durch ihre glatte Materialität die Kühle des Raums. Eine irritierende Spannung entsteht zwischen den Bedeutungssphären von Nutzraum und Nutztier – bzw. in diesem Fall dem benutzten Tier.
In Ergänzung zu dieser objekthaften Inszenierung wird im vorderen Teil der Garage Kammerers rätselhaftes Video „Don’t Touch The Higher Planes“ gezeigt. Im Zentrum des Videos steht eine Gruppe von Figuren mit menschlichen Körpern und Tierköpfen, deren Erscheinung nicht symbolisch aufgelöst wird, sondern als bewusste Störung von Identität fungiert. Das Hybride bleibt per se bestehen und verweigert jede eindeutige Zuschreibung oder Übertragung. Das Video erzählt eine Geschichte, aber nicht erschöpfend, sondern verharrend in einem Bildreigen assoziativer Andeutungen.