Guido Katol könnte im Weltentheater den Archetyp des zurückgezogenen Malers verkörpern, der sich weltentsagend in seinem nach Farbe und Terpentin riechenden Atelier verschanzt hat. Seine Malerei orientiert sich nach keinerlei Zeitgeschmack. Seit Jahrzehnten verfolgt er abseits der Kunstszene seine dichte, gestische Pinselstrichtechnik und schafft damit farbkräftige Tableaus mit einem illustren Figurenkabinett. Viele seiner Szenen sind dialogische Inszenierungen, meist zwischen Tier und Mensch. Der Künstler liebt es, sich in seine Figuren hineinzudenken und sie möglichst lebendig erscheinen zu lassen. Dadurch erhalten seine Bilder oft eine recht private Konnotation, als ob der Künstler die Motive seinem eigenen Fototagebuch entliehen hätte. Katol erzählt gern Geschichten, die er aber nicht auserzählt und somit in der dramaturgischen Schwebe hält. Zur Personnage gehören wiederkehrende Tiere und Menschen, die sich die Hauptrolle teilen. Sein Bestiarium bleibt zweideutig, weil nie ganz klar ist, ob selbst der wildeste Tiger nicht doch nur ein domptiertes Lämmchen ist. Diese Kunst der bewussten Ambivalenz bewirkt eine latente Ironie in Katols Bildern, die der Künstler punktuell noch zu herrlichen Pointen steigert. Seine Version der Leda zum Beispiel ist nicht nur sexuell humorvoll, sondern auch kunsthistorisch süffisant, da er dem zum Schwan verwandelten Zeus am Fuß einfach den Markierungsring eines Schlachtviehs verpasst. Der Mythos erfährt durch dieses Detail eine unbarmherzige, gewitzte Profanisierung.
* 1962 in Villach
lebt und arbeitet in Wien
Atelierbesuche bei Cornelius Kolig