Krammers Arbeiten sind figürlich geprägt und verbinden handwerkliche Raffinesse mit einer gewitzten Introspektion. Sein bevorzugtes Material ist Holz. Der Künstler wählt es bewusst, weil es für ihn ein Schwellenmaterial darstellt. Wo der Baum zum Holz wird, beginnt für ihn die Verwandlung von Natur in Kultur. Seine Kunst lebt von Schwellen: Organisches und Anorganisches, Animalisches und Menschliches, Ursprünglichkeit und Hochkultur sind im Spannungszustand gleichzeitiger Präsenz. Auch formal ist diese Doppelbödigkeit sichtbar, wenn seine Skulpturen an manchen Stellen von plastischer Körperlichkeit zu illusionistischer Malerei wechseln und dadurch eine gestalterische Frappanz erhalten. Krammer spielt gekonnt mit Zwischenzuständen. Ein besonders smart umgesetztes Beispiel dafür ist seine Skulptur „Stray Cat Eating Balloon Dog“, wenn vordergründige Cartoon-Ästhetik auf eine kunsthistorische Fußnote voller hintergründiger Ironie trifft.
Tiere sieht der Künstler als Träger von Eigenschaften, die wir im Menschen oft nicht direkt benennen können. Über das Tierische wird das Verdrängte und Unbewusste im Menschen erzählbar. Die Verschränkung von Mensch und Tier zieht sich als roter Faden durch Mythologie und Kulturgeschichte. Mit der symbolischen Einvernahme beider Sphären ist aber auch deren Gegensatz auf den Plan gerufen. Das Ungebändigte fasziniert gerade deshalb, weil es sich dem zivilisatorischen Impetus und dem Zugriff der Ratio konsequent entzieht.
* 1964 in Mödling / NÖ
lebt und arbeitet in Weißenbach im Wienerwald