An der Schnittstelle von Medienkunst, Computergrafik, projektiver Raumkunst, Oberflächendesign, digitaler Op-Art und Augmented Reality gilt Peter Kogler international als einer der profiliertesten Künstler. Flugzeuge, U-Bahnstationen, Gebäude und museale Räume hat er mit seinem bestechend präzisen Liniendesign in beeindruckende Erlebnisoberflächen verwandelt. Seine avantgardistische Formensprache, die zwischen coolem Neo-Konstruktivismus und technoider Halluzination pendelt, kleidet die Oberflächen der Architektur mit einer artifiziellen Haut aus. Diese ersetzt die Banalität von Funktionalräumen durch Virtualität und lässt die Grenze zwischen Echtraum und Bildraum verschwimmen. Die mathematisch kalkulierte Modularität des Designs lässt dieses zu einem Gestaltungsmittel ad infinitum werden, nutzbar wie ein Kopierpinsel, mit dem ein Sujet auf ewig weiter zu malen wäre. Mittendrin in all den hyperrealen Anordnungen, Linien-, Wirbel- und Röhrengeflechten plötzlich ein Insekt, eine Ameise! Kogler ist dezidiert kein Tierkünstler, denn die Ameise ist das einzige Objekt, das er der Tierwelt entlehnt. Aber sie wird durch die modulare Vervielfachung und Größenverschiebung zu einem Superzeichen, das mittlerweile sogar als animalisches Logo des Künstlers funktioniert. Koglers Ameise ist zur Ameise der Kunst geworden wie Maurizio Catellans Banane zur Banane der Weltkunst. In einem Umfeld von visuellen Superlativen ist es verblüffend, dass es gerade eine Ameise war, die einen derartigen Symbolstatus einnehmen konnte.
* 1959 in Innsbruck
lebt und arbeitet in Wien
Studium Akademie der bildenden Künste Wien
1993 Professor Akademie der bildenden Künste Wien