Raneburgers Kunst vereint mehrere Medien, findet aber in der Überschneidung von Zeichnung und Malerei zu ihrer überzeugendsten Ausdrucksform. Sie erhält ihre wechselseitige Präzisierung entweder durch Aus- bzw. Übermalung der Zeichnung (oder des Fotogrunds) oder durch die zeichnerische Akzentsetzung des Gemalten. In seinen bibliophilen Künstlertagebüchern erweist sich Raneburger als hellwacher und kritischer Beobachter und Kommentator gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Sein ernüchterndes Fazit sieht den Menschen als ein evolutionär falsch abgebogenes Wesen, dessen Selbstvernichtungsdrang mittlerweile auch die technische Möglichkeit seiner Einlösung gefunden hat. Raneburgers Werkserie der „Hominiden“ zeigt Tierwesen, die in stammbaumnaher Nachbarschaft zur Spezies des homo sapiens stehen. Sie kommen dem Menschen im darwinistischen Sinne recht nahe, lösen aber weder die Option des „missing link“ ein, noch bieten sie einen erlösenden Ausweg aus der Misere der evolutionären Sackgasse. In ihnen passiert eine gegenseitige Zuschreibung von Eigenschaften, die durch die formale Angleichung der Physiognomie zum schlüssigen Hinweis auf Wahlverwandtschaft führt.
In der Werkserie „bones“ weist die Verwendung tierischer Schädel auf jene Stellvertreterfunktion hin, in der die Maske zum Ersatz der Person wird. Diese identitätskritischen Bilder suggerieren allerdings auch eine latente mythologische Lesbarkeit und reichen im Kontext des Thanatos (Todestrieb, als Gegenstück zum Eros) den „Hominiden“ des Künstlers die destruktive Hand.
* 1967 in Zell am Ziller
lebt und arbeitet in Matrei / Osttirol
Preise für Kunst, Architektur und Literatur
Werke in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen