Ihr Oeuvre ist im Crossover-Bereich von Textilkunst, Modedesign, Objektkunst und performativer Inszenierung angesiedelt. Als architektonisches Relikt in ihrer Arbeit können ihre großen Kleiderprojekte gelten, die das Thema der Behausung des Körpers aufgreifen. Sie nimmt zum Beispiel mit ihrem „Infantinnen-Kleid“ direkt Bezug auf eine Zeit, in der Kleider noch hochkomplizierte Gerüstbauten waren. Im Sinne des Bauens sind es manchmal auch Interieurs, die sie als Setting für ihre Inszenierungen anfertigt.
Sabine Ott ist lustig, schräg lustig und klug lustig. Viele ihrer Kleiderobjekte sind charmante Humoresken, von denen es viel zu wenig in der Kunst gibt. Zumeist ist Ott selbst die Protagonistin ihrer Inszenierungen, manchmal bindet sie auch Freunde ein. Das Medium der Fotografie ist hier das Mittel zum Zweck, um das Ephemere (Flüchtige) der Aktion als Dokument festzuhalten.Constantin Brancusi hat mit seiner Ei-Skulptur „Der Anfang der Welt“ die Schwelle zwischen anorganischer und organischer Welt markiert. Sabine Ott betritt letztere in ihrem Spiegelei-Kleid wie eine Hohepriesterin und verquirlt die beiden Fruchtbarkeitssymbole Ei und Frau in einer genialen Kleidungsperformance. Wenn sie als Amsel herumhüpft oder mit ihrem Freundeskreis eine grelle Mottenshow abzieht, dann ist für die Kunstbetrachtung jenes Gefühl evident, das nahe am Lachen ist und das Maria Lassnig so beschrieben hat: „Kunst ist ansteckend“.
* 1970 in Steyr / OÖ
lebt und arbeitet in Wien
Studium Architektur bei Wolf D. Prix (Coop Himmelblau)